Zahlungsverzug bleibt 2026 für viele B2B-Unternehmen ein relevantes Geschäftsrisiko. Aktuelle Analysen von Wirtschaftsauskunfteien und Kreditversicherern zeigen, dass verspätete Zahlungen und Forderungsausfälle Liquidität belasten und das Risikomanagement vor Herausforderungen stellen. Eine Bonitätsprüfung für Unternehmen soll deshalb helfen, die Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit potenzieller Geschäftspartner einzuschätzen, bevor Waren geliefert, Leistungen erbracht oder Zahlungsziele eingeräumt werden.
Doch klassische Verfahren haben Grenzen. Eine vorsichtige Risikopolitik kann dazu führen, dass nicht nur tatsächlich riskante, sondern auch wirtschaftlich solide Neukunden abgelehnt werden. Gerade bei jungen Unternehmen oder Firmen mit wenig verfügbarer Historie ist die Datenlage häufig begrenzt.
Dieser Leitfaden erklärt, wie die Bonitätsprüfung von Firmen funktioniert, welche Daten und Anbieter eine Rolle spielen und wie kontobasierte Verfahren klassische Unternehmensauskünfte um aktuelle Liquiditätsinformationen ergänzen können.
Was ist eine Bonitätsprüfung im B2B-Kontext?
Eine Bonitätsprüfung im B2B-Kontext bewertet die wirtschaftliche Fähigkeit und voraussichtliche Bereitschaft eines Unternehmens, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Sie soll beispielsweise beantworten, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Rechnung innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels beglichen wird.
Unternehmen nutzen eine solche Prüfung typischerweise vor Vertragsabschlüssen, bei der Vergabe von Zahlungszielen oder vor größeren Lieferungen. Auch bei bestehenden Geschäftsbeziehungen kann eine regelmäßige Neubewertung sinnvoll sein, wenn sich das Auftragsvolumen oder die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern.
Die Bonitätsprüfung von Firmen unterscheidet sich von der Prüfung einer Privatperson vor allem durch die verfügbaren Datenquellen. Bei Unternehmen können beispielsweise Informationen aus Handelsregistern, veröffentlichten Jahresabschlüssen, Unternehmensdatenbanken, Zahlungserfahrungen und öffentlichen Negativmerkmalen einfließen.
Dabei muss zwischen unterschiedlichen Rechtsformen differenziert werden. Bei Kapitalgesellschaften beziehen sich viele Informationen auf die juristische Person. Bei Einzelunternehmen oder Personengesellschaften können dagegen auch personenbezogene Daten betroffen sein.
Für deren Verarbeitung gilt insbesondere die Datenschutz-Grundverordnung. Eine Verarbeitung personenbezogener Daten kann unter bestimmten Voraussetzungen auf ein berechtigtes Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO gestützt werden. Ob diese Rechtsgrundlage im konkreten Fall greift, hängt unter anderem vom Zweck, der Erforderlichkeit der Verarbeitung und der Interessenabwägung ab.
Eine Bonitätsprüfung sollte deshalb stets zweckgebunden erfolgen und sich auf die Daten beschränken, die für die konkrete Risikobewertung erforderlich sind.
Warum ist Bonitätsprüfung für Unternehmen unverzichtbar?
Wer Geschäftskunden auf Rechnung beliefert, übernimmt faktisch ein kurzfristiges Kreditrisiko. Die Ware oder Leistung wird bereits bereitgestellt, während die Zahlung erst später erfolgt. Zwischen Leistung und Zahlung trägt der Anbieter das Risiko eines Zahlungsausfalls.
Dieses Risiko gewinnt in wirtschaftlich angespannten Zeiten an Bedeutung. Creditreform meldete für Deutschland im Jahr 2025 23.900 Unternehmensinsolvenzen – 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit stieg auch die Zahl der Unternehmen, bei denen offene Forderungen für Lieferanten und andere Gläubiger gefährdet sein können.
Die wirtschaftlichen Folgen gehen über den unmittelbaren Forderungsverlust hinaus. Unternehmen müssen offene Rechnungen nachverfolgen, Mahnprozesse durchführen und gegebenenfalls Inkasso- oder Rechtskosten tragen. Gleichzeitig fehlt die ausstehende Liquidität für das eigene operative Geschäft.
Eine systematische Bonitätsprüfung für Unternehmen hilft deshalb, Zahlungsbedingungen an das individuelle Risiko anzupassen. Ein Kunde mit stabiler Bonität kann beispielsweise ein längeres Zahlungsziel erhalten, während bei erhöhtem Risiko Vorkasse, eine Anzahlung oder ein reduziertes Kreditlimit vereinbart werden kann.
Auch Compliance spielt eine Rolle. Unternehmen benötigen nachvollziehbare Entscheidungsprozesse, insbesondere wenn Kreditlimits oder Zahlungsbedingungen systematisch vergeben werden. Dokumentierte Prüfregeln können dazu beitragen, Entscheidungen konsistent zu treffen und interne Risikovorgaben einzuhalten.
Das Ziel sollte dabei nicht darin bestehen, möglichst viele Kunden abzulehnen. Eine gute Risikoprüfung soll vielmehr zwischen tragfähigen und tatsächlich kritischen Geschäftsbeziehungen unterscheiden.
Welche Daten werden bei einer B2B-Bonitätsprüfung geprüft?
Eine Bonitätsauskunft über Unternehmen kann unterschiedliche Datenquellen kombinieren. Welche Informationen tatsächlich verfügbar sind, hängt unter anderem von der Rechtsform, der Unternehmensgröße und dem jeweiligen Anbieter ab.
Handelsregister und Jahresabschlüsse
Registerdaten liefern grundlegende Informationen über ein Unternehmen. Dazu gehören beispielsweise Rechtsform, Sitz, Geschäftsführung oder Vertretungsberechtigte.
Bei veröffentlichungspflichtigen Unternehmen können zusätzlich Jahresabschlüsse ausgewertet werden. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie weitere Finanzkennzahlen ermöglichen eine Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung.
Die Aussagekraft hängt allerdings von der Aktualität der verfügbaren Daten ab. Ein Jahresabschluss beschreibt grundsätzlich einen bereits vergangenen Berichtszeitraum und bildet kurzfristige Veränderungen der Liquidität nur eingeschränkt ab.
Zahlungserfahrungen
Zahlungserfahrungen zeigen, wie ein Unternehmen in der Vergangenheit seinen finanziellen Verpflichtungen nachgekommen ist. Solche Informationen können beispielsweise aus gemeldeten Erfahrungen von Geschäftspartnern oder aus weiteren Datenbeständen stammen.
Sie können Hinweise auf Zahlungsverhalten und mögliche Verzögerungen liefern. Gleichzeitig handelt es sich auch hier überwiegend um historische Informationen.
Scoring-Modelle
Viele Anbieter verdichten unterschiedliche Merkmale zu einem Score, einer Ratingklasse oder einer Ausfallwahrscheinlichkeit. Dadurch lässt sich eine große Zahl von Geschäftspartnern nach einheitlichen Kriterien bewerten.
Die konkrete Berechnung unterscheidet sich je nach Anbieter. In ein Modell können beispielsweise Unternehmensalter, Branche, Bilanzkennzahlen, Zahlungserfahrungen, Unternehmensstruktur und negative Ereignisse einfließen.
Ein Score vereinfacht Entscheidungen, reduziert komplexe Informationen jedoch auf einen einzelnen Wert oder eine Risikoklasse. Unternehmen sollten deshalb verstehen, welche Aussage ein verwendeter Score tatsächlich trifft und wo seine Grenzen liegen.
Negative Merkmale
Besondere Bedeutung haben harte Negativmerkmale. Dazu können beispielsweise Insolvenzverfahren oder andere öffentlich verfügbare Hinweise auf erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten gehören.
Solche Informationen können für die Risikobewertung sehr relevant sein. Sie zeigen jedoch häufig erst dann ein Problem, wenn sich die wirtschaftliche Situation bereits deutlich verschlechtert hat.
Die klassischen Anbieter im Überblick
Der deutsche Markt für Unternehmensauskünfte wird von mehreren etablierten Anbietern geprägt. Die Leistungen unterscheiden sich hinsichtlich Datenquellen, Bewertungsmodellen und zusätzlichen Services.
Creditreform
Creditreform ist ein etablierter Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Forderungsmanagement in Deutschland. Die Organisation ist genossenschaftlich strukturiert und bietet unter anderem Unternehmensauskünfte und Bonitätsbewertungen für Geschäftskunden an.
CRIF
CRIF bietet Lösungen rund um Bonitätsinformationen, Risikomanagement und Identitätsprüfung. Im B2B-Bereich können Unternehmen Wirtschaftsinformationen zur Bewertung potenzieller und bestehender Geschäftspartner nutzen.
SCHUFA B2B
SCHUFA ist vor allem für Bonitätsinformationen im Privatkundengeschäft bekannt, bietet jedoch auch Lösungen für Geschäftskunden. Welche Informationen für eine konkrete B2B-Prüfung relevant sind, hängt vom jeweiligen Anwendungsfall und vom zu prüfenden Unternehmen ab.
Coface und Atradius
Coface und Atradius gehören zu den international tätigen Kreditversicherern. Neben der Absicherung von Forderungen spielen Bonitätsinformationen, Risikoanalysen und die laufende Beobachtung von Geschäftspartnern eine wichtige Rolle.
Welche Unternehmensauskunft für einen bestimmten Prozess geeignet ist, hängt vom Geschäftsmodell, dem durchschnittlichen Forderungsvolumen, der gewünschten Aktualität und dem akzeptierten Risiko ab.
Die Grenzen klassischer Bonitätsprüfung
Klassische Bonitätsinformationen sind ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements. Sie haben jedoch strukturelle Grenzen, die Unternehmen bei ihren Entscheidungen berücksichtigen sollten.
Historische Daten zeigen nicht zwingend die aktuelle Situation
Jahresabschlüsse bilden einen abgeschlossenen Zeitraum ab. Zwischen dem Bilanzstichtag, der Veröffentlichung und dem Zeitpunkt einer Bonitätsentscheidung können mehrere Monate liegen.
Ein Unternehmen kann sich seitdem wirtschaftlich verbessert oder verschlechtert haben. Wer ausschließlich historische Daten betrachtet, erhält deshalb nicht immer ein aktuelles Bild der Liquidität.
Junge Unternehmen verfügen über wenig Historie
Start-ups und neu gegründete Unternehmen haben häufig noch keine mehrjährige Finanzhistorie. Es fehlen Jahresabschlüsse, langjährige Zahlungserfahrungen und andere Merkmale, auf denen klassische Bewertungsmodelle aufbauen.
Eine schwache oder unvollständige Datenbasis bedeutet jedoch nicht automatisch eine schlechte aktuelle Zahlungsfähigkeit.
Ablehnungen können Umsatz kosten
Besonders relevant wird diese Grenze in automatisierten Vertriebs- und Finanzierungsprozessen. Wird ein Geschäftskunde aufgrund eines Scores oder fehlender Informationen abgelehnt, endet der Prozess häufig unmittelbar.
Damit entsteht ein Zielkonflikt: Unternehmen wollen Forderungsausfälle vermeiden, gleichzeitig aber wirtschaftlich tragfähige Neukunden nicht verlieren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Ist dieser Kunde laut bestehender Datenlage kreditwürdig?" Ebenso wichtig ist die Frage: „Gibt es aktuelle Informationen, mit denen sich die Entscheidung genauer treffen lässt?"
Klassische Auskünfte zeigen nicht direkt die aktuelle Liquidität
Eine traditionelle Bonitätsauskunft kann zahlreiche relevante Informationen enthalten. Den aktuellen Kontostand, laufende Ein- und Auszahlungen oder die tatsächliche Liquiditätsentwicklung eines Unternehmens sieht sie in der Regel jedoch nicht.
Genau an diesem Punkt setzen kontobasierte Verfahren an.
Moderne Alternative — Kontobasierte Bonitätsprüfung (PSD2)
Eine kontobasierte Bonitätsprüfung nutzt aktuelle Kontoinformationen, um die finanzielle Situation eines Unternehmens ergänzend zu bewerten. Technische Grundlage können sogenannte Account Information Services, auf Deutsch Kontoinformationsdienste, sein.
So setzt ConversionUp das um: automatisierte Second-Look-Prüfung via PSD2 in Echtzeit.
Dabei stellt der Kontoinhaber nach einem transparenten Zustimmungsprozess den Zugriff auf definierte Kontoinformationen bereit. Die Daten können anschließend automatisiert analysiert werden.
Statt ausschließlich historische Unternehmensdaten zu betrachten, lässt sich so beispielsweise untersuchen, wie sich Einnahmen und Ausgaben entwickeln, ob ausreichende Liquidität vorhanden ist oder welche regelmäßigen finanziellen Verpflichtungen bestehen.
Aktuelle Liquidität statt ausschließlich historischer Daten
Der wesentliche Unterschied liegt in der Aktualität. Ein Jahresabschluss beantwortet die Frage, wie die wirtschaftliche Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit aussah. Eine kontobasierte Analyse kann dagegen aktuelle Zahlungsströme und Liquiditätsmuster berücksichtigen.
Das macht klassische Unternehmensauskünfte nicht überflüssig. Beide Ansätze beantworten unterschiedliche Fragen.
Registerinformationen und historische Daten liefern eine strukturelle Risikoperspektive. Kontodaten können diese Perspektive um aktuelle finanzielle Informationen ergänzen.
Die CCD2 als regulatorischer Treiber
Mit der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie, häufig als CCD2 bezeichnet, gewinnt eine stärker datenbasierte und nachvollziehbare Kreditwürdigkeitsprüfung zusätzlich an Bedeutung. Die Richtlinie betrifft primär Verbraucherkredite und damit nicht unmittelbar jede klassische B2B-Transaktion.
Die regulatorische Entwicklung verdeutlicht jedoch einen übergeordneten Trend: Entscheidungen über Kreditwürdigkeit sollen auf relevanten und angemessenen Informationen basieren. Parallel ermöglichen Open-Banking-Infrastrukturen zunehmend eine aktuellere Datenbasis.
Für B2B-Unternehmen kann diese Entwicklung technologisch relevant sein, auch wenn die konkreten gesetzlichen Anforderungen je nach Anwendungsfall unterschiedlich sind.
Eine zweite Prüfung statt pauschaler Ablehnung
Ein besonders interessanter Einsatzbereich liegt im sogenannten Second Look.
Fällt die klassische Bonitätsprüfung negativ oder nicht eindeutig aus, muss der Kunde nicht automatisch endgültig abgelehnt werden. Stattdessen kann eine zusätzliche Prüfung aktueller Kontodaten angeboten werden.
Ein Unternehmen mit kurzer Historie oder einem schwachen klassischen Score kann so seine aktuelle finanzielle Leistungsfähigkeit anhand realer Daten nachweisen. Ergibt die Analyse ein tragfähiges Bild, kann der Anbieter die Transaktion unter definierten Bedingungen dennoch freigeben.
Damit lässt sich die Bonitätsprüfung im B2B-Vertrieb differenzierter gestalten: Statt zwischen pauschaler Annahme und Ablehnung zu entscheiden, entsteht eine zusätzliche Entscheidungsstufe.
Das kann die Conversion erhöhen, weil potenziell zahlungsfähige Kunden nicht allein aufgrund historischer oder unvollständiger Informationen verloren gehen. Gleichzeitig bleibt die Risikoprüfung bestehen.
Datenschutz und aktive Zustimmung
Der Zugriff auf Kontodaten erfordert einen klar definierten rechtlichen und technischen Rahmen. Bei kontobasierten Prüfungen erfolgt die Bereitstellung der Daten typischerweise aktiv durch den Kontoinhaber.
Wichtig sind dabei insbesondere Transparenz, Zweckbindung und Datenminimierung. Der Nutzer muss erkennen können, welche Daten verarbeitet werden und welchem Zweck die Analyse dient.
Ob und auf welcher konkreten Rechtsgrundlage eine Verarbeitung DSGVO-konform erfolgt, muss für den jeweiligen Prozess geprüft werden. Eine aktive Zustimmung zum Kontozugriff allein ersetzt nicht automatisch sämtliche weiteren datenschutzrechtlichen Anforderungen.
Bonitätsprüfung in der Praxis — 5-Schritte-Checkliste
- Risiko und Prüfzeitpunkt definieren. Legen Sie fest, bei welchen Transaktionen eine Prüfung erforderlich ist. Berücksichtigen Sie dabei insbesondere Auftragswert, Zahlungsziel, Kundenart und mögliche Schadenshöhe.
- Geeignete Datenquellen auswählen. Entscheiden Sie, welche Informationen für die jeweilige Risikoklasse notwendig sind. Eine klassische Bonitätsauskunft für Unternehmen kann als Basis dienen, während bei höheren oder unklaren Risiken zusätzliche Daten sinnvoll sein können.
- Klare Entscheidungsregeln festlegen. Definieren Sie vorab, welche Ergebnisse zu einer Freigabe, einer manuellen Prüfung oder einer Ablehnung führen. Dadurch werden Entscheidungen nachvollziehbarer und weniger abhängig von Einzelfallentscheidungen.
- Eine zweite Prüfstrecke einrichten. Beenden Sie den Prozess bei einem negativen oder unklaren Ergebnis nicht zwingend sofort. Eine zusätzliche kontobasierte Prüfung kann bei geeigneten Fällen aktuelle Informationen liefern und eine differenziertere Entscheidung ermöglichen.
- Ergebnisse regelmäßig überprüfen. Vergleichen Sie Bonitätsentscheidungen mit dem tatsächlichen späteren Zahlungsverhalten. So lässt sich feststellen, ob die eingesetzten Regeln Ausfälle reduzieren, ohne unnötig viele wirtschaftlich interessante Kunden abzulehnen.
Fazit & Ausblick
Die klassische Bonitätsprüfung für Unternehmen bleibt eine wichtige Baseline im B2B-Risikomanagement. Registerdaten, Jahresabschlüsse, Zahlungserfahrungen und Negativmerkmale liefern wertvolle Informationen über die wirtschaftliche Historie eines Geschäftspartners.
Ihre Grenzen liegen vor allem dort, wo aktuelle Informationen fehlen. Das betrifft insbesondere junge Unternehmen, Firmen mit begrenzter Datenhistorie und Situationen, in denen sich die wirtschaftliche Lage seit dem letzten verfügbaren Jahresabschluss verändert hat.
Kontobasierte Prüfverfahren können diese Lücke schließen. Sie ersetzen die klassische Bonitätsprüfung nicht zwingend, sondern können sie um einen aktuellen Blick auf Liquidität und Zahlungsströme ergänzen.
Besonders relevant ist das für Unternehmen, die Bonität prüfen im B2B und dabei nicht nur Forderungsausfälle reduzieren, sondern gleichzeitig ihre Abschlussquote verbessern wollen. Statt jeden Kunden mit einem unzureichenden klassischen Ergebnis automatisch abzulehnen, ermöglicht ein mehrstufiger Prozess eine zusätzliche Bewertung anhand aktueller Daten.
Die Zukunft dürfte deshalb weniger in der Entscheidung zwischen klassischer und kontobasierter Prüfung liegen. Entscheidend wird vielmehr die intelligente Kombination unterschiedlicher Datenquellen sein: historische Informationen für die strukturelle Risikobewertung und aktuelle Finanzdaten für eine präzisere Entscheidung im konkreten Moment.
Häufige Fragen
Was kostet eine Bonitätsprüfung für Unternehmen?
Die Kosten hängen vom Anbieter, dem Umfang der Unternehmensauskunft und dem Abfragevolumen ab. Einfache Informationen sind in der Regel günstiger als umfangreiche Reports, laufendes Monitoring oder individuell integrierte Prüfprozesse.
Ist eine Bonitätsprüfung ohne Zustimmung erlaubt?
Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Bonitätsprüfung auch ohne ausdrückliche Einwilligung zulässig sein, etwa wenn ein berechtigtes Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO besteht. Entscheidend sind der konkrete Anwendungsfall, die verarbeiteten Daten und eine entsprechende Interessenabwägung.
Wie lange sind Bonitätsdaten gültig?
Es gibt keine allgemeine Frist, nach der jede Bonitätsauskunft automatisch ihre Aussagekraft verliert. Je größer das finanzielle Risiko und je dynamischer die wirtschaftliche Situation, desto wichtiger sind aktuelle Daten und gegebenenfalls eine erneute Prüfung.
Was tun bei negativer Auskunft?
Eine negative Auskunft muss nicht in jedem Fall zu einer automatischen Ablehnung führen. Unternehmen können alternative Zahlungsbedingungen vereinbaren oder zusätzliche aktuelle Informationen prüfen, um die Kreditwürdigkeit des Unternehmens genauer zu bewerten.
Ist Kontoblick DSGVO-konform?
Eine kontobasierte Analyse kann DSGVO-konform gestaltet werden, wenn die rechtlichen und technischen Anforderungen eingehalten werden. Dazu gehören insbesondere eine geeignete Rechtsgrundlage, Transparenz, Zweckbindung, Datenminimierung und ein klar geregelter Zugriff auf die Kontodaten.
Häufige Fragen
›Was gehört 2026 zu einer vollständigen B2B-Bonitätsprüfung?
Zu einer vollständigen Prüfung gehören Stammdaten und Handelsregisterinformationen, klassische Wirtschaftsauskünfte, Zahlungserfahrungen sowie – als aktuelle Datenschicht – kontobasierte Signale zu Liquidität und Zahlungsverhalten.
›Welche Datenquellen sind heute Pflicht, welche „Nice-to-have“?
Pflicht sind Stammdaten, Auskunftei-Score und Zahlungserfahrungen. Kontobasierte Signale entwickeln sich 2026 vom „Nice-to-have“ zum Standard, weil sie regulatorisch verlangte Aktualität bei Kreditentscheidungen liefern.
›Wie oft sollte die Bonität von Bestandskunden geprüft werden?
Bei laufenden Verträgen empfiehlt sich mindestens eine jährliche Überprüfung, bei höheren Volumina oder Risikoindikatoren eine ereignisgesteuerte Prüfung – idealerweise ergänzt um kontobasiertes Frühwarn-Monitoring.
›Was ändert sich durch EU AI Act und DORA für die Bonitätsprüfung?
Der EU AI Act stuft KI-gestützte Kreditwürdigkeitsprüfung als Hochrisiko-System ein und verlangt Transparenz, Datenqualität und menschliche Aufsicht. DORA erhöht die Anforderungen an digitale Betriebsstabilität und Drittanbieter-Risiken.
›Wie dokumentiere ich Prüfentscheidungen revisionssicher?
Erforderlich sind ein nachvollziehbarer Entscheidungspfad (Datenquellen, Modellversion, Regelwerk), Zeitstempel, Einwilligungs-Nachweise und eine geordnete Ablage – idealerweise automatisiert im Antragssystem.
›Welche KPIs zeigen, ob mein Prüfprozess funktioniert?
Zentrale KPIs sind Freigabequote, Ausfallquote, „Bad-Rate“ je Antragsklasse, Zeit bis zur Entscheidung sowie die Quote klassisch abgelehnter Anträge, die im Second-Look freigegeben werden konnten.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
- BaFin — MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) — Aufsichtsrechtliche Anforderungen an das Kreditrisikomanagement
- EU AI Act — Verordnung (EU) 2024/1689 — Anforderungen an KI-gestützte Bonitätsbewertung (Hochrisiko-System)
- DORA — Digital Operational Resilience Act — Anforderungen an digitale Betriebsstabilität im Finanzsektor
- Deutsche Bundesbank — Finanzstabilitätsbericht — Makroökonomische Rahmenbedingungen für Kreditrisiken und Unternehmensfinanzierung
- Creditreform — Wirtschafts- und Insolvenzforschung — Aktuelle Insolvenzstatistiken und Zahlungsverhalten deutscher Unternehmen
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