Kontoblick im B2B: Kontoinformationsdienste für die Bonitätsprüfung

23.07.2026
 · 
16 min read
Featured Image

Der Kontoblick ist im Kreditgeschäft längst angekommen. Banken und Finanzdienstleister nutzen Kontodaten, um die finanzielle Situation eines Antragstellers aktueller und differenzierter zu bewerten. Doch auch für B2B-Unternehmen wird das Verfahren zunehmend relevant: Wer Geschäftskunden Zahlungsziele, Rechnungskauf oder Ratenzahlung anbietet, übernimmt schließlich ebenfalls ein finanzielles Risiko.

Klassische Bonitätsauskünfte liefern dafür wichtige Informationen. Ihre Daten basieren jedoch häufig auf der Vergangenheit und können gerade bei jungen Unternehmen oder dynamischen Geschäftsmodellen unvollständig sein.

Eine kontobasierte Analyse setzt an einem anderen Punkt an. Sie betrachtet tatsächliche Zahlungsströme und kann dadurch einen aktuellen Einblick in die finanzielle Situation eines Unternehmens ermöglichen.

Dieser Artikel erklärt, wie Kontoinformationsdienste technisch funktionieren, welche Daten ausgewertet werden können, welche B2B-Anwendungsfälle sich ergeben und wo die Grenzen des Verfahrens liegen.

Was ist Kontoblick eigentlich?

„Kontoblick" ist kein fest definierter regulatorischer Fachbegriff. Gemeint ist üblicherweise der digitale Zugriff auf Informationen eines Bankkontos, nachdem der Kontoinhaber diesen Zugriff autorisiert hat.

Die technische und regulatorische Grundlage bilden sogenannte Account Information Services, kurz AIS. Im Deutschen spricht man von Kontoinformationsdiensten.

Diese Dienste wurden durch die zweite europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 regulatorisch verankert. Sie ermöglichen es autorisierten Drittanbietern, mit Zustimmung des Zahlungsdienstnutzers auf definierte Informationen eines Zahlungskontos zuzugreifen. Ein Kontoinformationsdienst darf Kontodaten dabei nur mit der ausdrücklichen Zustimmung des Nutzers abrufen.

In Deutschland unterliegen Anbieter von Kontoinformationsdiensten den Anforderungen des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes. Die BaFin führt entsprechende Register über zugelassene beziehungsweise registrierte Zahlungsdienstleister.

Vom Screen Scraping zur regulierten Schnittstelle

Technisch unterscheidet sich das heutige Open Banking deutlich von früheren Verfahren. Beim sogenannten Screen Scraping wurden teilweise Zugangsdaten eines Nutzers verwendet, um sich technisch wie dieser Nutzer in dessen Onlinebanking einzuloggen und dort Informationen auszulesen.

PSD2 hat stattdessen einen regulierten Rahmen für den Kontozugriff durch Drittanbieter geschaffen. Banken müssen entsprechende Zugangsmöglichkeiten für regulierte Zahlungsdienstleister bereitstellen. In der Praxis erfolgt der Datenaustausch heute typischerweise über dedizierte Schnittstellen.

Der moderne Kontoblick basiert deshalb nicht darauf, dass ein Analyseanbieter beliebig Zugriff auf das Onlinebanking eines Unternehmens erhält. Vielmehr erfolgt der Zugriff kontrolliert, zweckgebunden und über regulierte technische Prozesse.

Wie funktioniert Kontoblick technisch?

Für den Nutzer wirkt eine kontobasierte Analyse häufig wie ein kurzer digitaler Prozess. Technisch laufen im Hintergrund mehrere Schritte ab.

1. Zustimmung durch den Kontoinhaber

Am Anfang steht die aktive Entscheidung des Kontoinhabers, Kontoinformationen für einen bestimmten Zweck bereitzustellen. Bei einem B2B-Anwendungsfall kann dies beispielsweise ein Unternehmen sein, das bei einem Lieferanten ein höheres Zahlungsziel beantragt oder nach einer zunächst negativen Bonitätsentscheidung eine zusätzliche Prüfung durchführen möchte.

Der Zugriff durch einen Account Information Service setzt nach PSD2 die ausdrückliche Zustimmung des Zahlungsdienstnutzers voraus.

2. Auswahl der Bank

Anschließend wählt der Nutzer seine Bank beziehungsweise sein Kreditinstitut aus. Der Kontoinformationsdienst stellt daraufhin die technische Verbindung zur jeweiligen Bank her. Dafür werden die von Banken bereitgestellten Kontozugangsschnittstellen genutzt, häufig unter dem Begriff XS2A – „Access to Account" – zusammengefasst.

3. Starke Kundenauthentifizierung

Der Kontoinhaber authentifiziert sich gegenüber seiner Bank. Dabei gelten grundsätzlich die Anforderungen an die starke Kundenauthentifizierung, kurz SCA. PSD2 sieht eine solche starke Authentifizierung insbesondere beim Onlinezugriff auf Zahlungskonten vor.

Welche Authentifizierung konkret erforderlich ist, hängt von der Bank und dem jeweiligen Zugriffsszenario ab. Typischerweise erfolgt der Prozess über die vertraute Banking-Umgebung des jeweiligen Kreditinstituts.

4. Abruf definierter Kontoinformationen

Nach erfolgreicher Autorisierung können die freigegebenen Kontoinformationen über die entsprechenden Schnittstellen abgerufen werden. Der Zugriff ist dabei nicht unbegrenzt. Welche Informationen verfügbar sind, hängt unter anderem von der jeweiligen Bank, dem Konto und der Schnittstelle ab.

Wichtig ist außerdem eine häufige begriffliche Verwechslung: Der früher oft genannte 90-Tage-Zyklus betrifft nicht pauschal die „Gültigkeit einer Einwilligung". Die regulatorischen Anforderungen an die erneute starke Kundenauthentifizierung für bestimmte Kontoinformationszugriffe wurden auf 180 Tage angepasst.

5. Analyse und Auswertung

Die abgerufenen Rohdaten allein ergeben noch keine Bonitätsentscheidung. Erst eine Analyselogik ordnet Transaktionen ein, erkennt wiederkehrende Zahlungsströme und berechnet daraus relevante Kennzahlen. Eine Kontoanalyse im B2B kann beispielsweise untersuchen, wie stabil die verfügbaren Mittel sind oder in welchem Verhältnis regelmäßige Verpflichtungen zu Zahlungseingängen stehen.

Damit wird aus dem technischen Kontozugriff eine wirtschaftlich nutzbare Entscheidungsgrundlage.

Welche Daten liefert ein Kontoblick?

Welche Informationen tatsächlich verfügbar sind, hängt von der Bank, dem Konto und der konkreten technischen Anbindung ab. Grundsätzlich können jedoch verschiedene Kategorien von Kontoinformationen ausgewertet werden.

Kontoinhaber und Kontostammdaten

Je nach Schnittstelle können grundlegende Informationen zum Konto bereitgestellt werden. Dazu gehören beispielsweise Kontokennung und verfügbare Angaben zum Kontoinhaber. Im B2B-Kontext können diese Informationen auch dazu beitragen, die Verbindung zwischen einem Unternehmen und dem eingebundenen Geschäftskonto zu überprüfen.

Aktueller Saldo

Der aktuelle Kontostand liefert eine Momentaufnahme der verfügbaren Liquidität. Allein ist dieser Wert allerdings nur begrenzt aussagekräftig. Ein hoher Saldo kann kurzfristig durch einen einzelnen Zahlungseingang entstanden sein, während ein niedriger Saldo unmittelbar vor regelmäßig erwarteten Einnahmen ebenfalls wenig über die grundsätzliche Zahlungsfähigkeit aussagt. Entscheidend ist deshalb die Betrachtung im zeitlichen Zusammenhang.

Transaktionshistorie

Je nach Bank und technischer Verfügbarkeit können Kontoumsätze aus einem zurückliegenden Zeitraum abgerufen werden. In der Praxis werden für Bonitätsanalysen häufig mehrere Monate betrachtet. Eine pauschale Garantie, dass jede Bank beispielsweise immer 90 oder 180 Tage vollständig über eine PSD2-Schnittstelle bereitstellt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Regelmäßige Einnahmen

Eine automatisierte Analyse kann wiederkehrende Zahlungseingänge erkennen. Bei einem Geschäftskonto können dies beispielsweise Kundenzahlungen, wiederkehrende Umsätze oder andere regelmäßige Mittelzuflüsse sein. Damit lässt sich untersuchen, ob Einnahmen kontinuierlich entstehen oder stark schwanken.

Regelmäßige Ausgaben

Auf der Ausgabenseite können wiederkehrende Verpflichtungen sichtbar werden. Dazu können unter anderem Mieten, Gehaltszahlungen, Kreditraten, Versicherungen oder Steuerzahlungen gehören, sofern sich diese anhand der verfügbaren Transaktionsdaten erkennen und zuverlässig kategorisieren lassen.

Berechnete Kennzahlen

Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die Auswertung der Transaktionsdaten. Mögliche Kennzahlen sind beispielsweise:

  • durchschnittlich verfügbare Liquidität,
  • Höhe und Stabilität regelmäßiger Zahlungseingänge,
  • Schwankungen des Kontostands,
  • Verhältnis wiederkehrender Belastungen zu Einnahmen,
  • Häufigkeit kritischer Liquiditätssituationen,
  • Entwicklung der Cashflows innerhalb des betrachteten Zeitraums.

Welche Kennzahlen tatsächlich für eine Bonitätsentscheidung geeignet sind, hängt vom jeweiligen Geschäftsmodell und Risikomodell ab.

Kontoblick im B2C vs. B2B – die Unterschiede

Die technische Grundlage kann bei privaten und geschäftlichen Konten ähnlich sein. Der wirtschaftliche Kontext unterscheidet sich jedoch deutlich.

  • Datenquelle: B2C nutzt das private Zahlungskonto, B2B das geschäftliche Zahlungskonto.
  • Typischer Zweck: B2C – Kreditwürdigkeitsprüfung, Finanzierung. B2B – Zahlungsziel, Kreditlimit, Rechnungskauf, Ratenzahlung.
  • Kontoinhaber: Verbraucher vs. Unternehmen bzw. vertretungsberechtigte Person.
  • Bewertungsfokus: Einkommen und private Verpflichtungen vs. Cashflow, Liquidität und geschäftliche Zahlungsströme.
  • Typischer Einsatz: Kreditantrag vs. Vertriebs-, Onboarding- oder Credit-Prozess.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Interpretation der Daten. Bei einer Privatperson können beispielsweise regelmäßige Gehaltseingänge eine zentrale Rolle spielen. Bei einem Unternehmen können dagegen saisonale Schwankungen, unregelmäßige Kundenrechnungen und größere Einzelzahlungen völlig normal sein. Eine Open-Banking-Bonität im B2B benötigt deshalb andere Bewertungsmodelle als eine Analyse privater Girokonten.

Auch rechtlich muss differenziert werden. Bei einer Kapitalgesellschaft ist das Unternehmen eine juristische Person. Transaktionsdaten können dennoch personenbezogene Informationen enthalten, beispielsweise Namen von Einzelpersonen oder Angaben zu Geschäftsführern und Mitarbeitern.

Einsatzszenarien im B2B

Der Kontoblick kann an unterschiedlichen Stellen eines B2B-Prozesses eingesetzt werden.

1. Neukundenprüfung beim Rechnungskauf im B2B-E-Commerce

B2B-Shops stehen häufig vor einem Zielkonflikt: Der Rechnungskauf ist für viele Geschäftskunden attraktiv, erhöht für den Anbieter aber das Ausfallrisiko. Eine PSD2-Bonitätsprüfung kann zusätzliche aktuelle Informationen liefern, wenn die klassische Datenbasis für eine Entscheidung nicht ausreicht. So lässt sich der Prüfprozess differenzierter gestalten, ohne den Rechnungskauf generell einzuschränken.

2. Festlegung individueller Kreditlimits

Auch im klassischen B2B-Vertrieb werden Kunden häufig individuelle Kreditlimits eingeräumt. Historische Bonitätsinformationen können dabei als Grundlage dienen. Aktuelle Liquiditätsdaten können zusätzliche Hinweise liefern, wenn beispielsweise ein höheres Limit beantragt wird. Das erlaubt eine stärker am konkreten Einzelfall orientierte Entscheidung.

3. Second Look nach negativer Bonitätsauskunft

Ein besonders relevanter Einsatzbereich ist eine zweite Prüfungsstufe. Erhält ein potenzieller Kunde aufgrund klassischer Bonitätsdaten zunächst keine Freigabe, kann ihm optional eine zusätzliche kontobasierte Prüfung angeboten werden. Das Unternehmen erhält damit die Möglichkeit, seine aktuelle wirtschaftliche Situation anhand realer Kontodaten darzustellen. Für den Anbieter entsteht eine Alternative zur binären Entscheidung zwischen Annahme und endgültiger Ablehnung.

Second-Look in der Praxis: Statt Grenzfälle pauschal abzulehnen, wird dem Kunden aktiv die kontobasierte Zweitprüfung angeboten. Für viele B2B-Anbieter ist genau das der wirksamste Hebel gegen unnötige Umsatzverluste durch strikte Score-Cutoffs.

4. Laufende Bewertung bestehender Geschäftskunden

Grundsätzlich können Kontoinformationsdienste auch für wiederkehrende Analysen eingesetzt werden, sofern die regulatorischen und vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind. Der Vorteil liegt darin, Veränderungen der finanziellen Situation früher erkennen zu können als über neue Jahresabschlüsse. Ein dauerhaftes Monitoring setzt allerdings einen geeigneten Zustimmungs- und Authentifizierungsprozess voraus. Unter den derzeitigen PSD2-Regeln ist für bestimmte AIS-Zugriffe spätestens nach 180 Tagen erneut eine starke Kundenauthentifizierung erforderlich.

5. Onboarding junger Unternehmen

Start-ups und neu gegründete Firmen stellen klassische Bonitätsmodelle vor ein strukturelles Problem. Fehlende Historie bedeutet nicht automatisch fehlende Zahlungsfähigkeit. Gleichzeitig stehen für eine fundierte Bewertung häufig weniger externe Informationen zur Verfügung. Eine aktuelle Kontenanalyse kann hier zusätzliche Daten liefern und dadurch eine Informationslücke verkleinern.

Vorteile gegenüber klassischer Bonitätsprüfung

Kontobasierte Verfahren unterscheiden sich in mehreren Punkten von traditionellen Unternehmensauskünften.

Aktualität

Ein Jahresabschluss beschreibt einen vergangenen Berichtszeitraum. Kontodaten können dagegen die finanzielle Situation deutlich näher am Zeitpunkt einer Geschäftsentscheidung abbilden.

Reale Cashflows

Klassische Scores leiten Risiken aus verschiedenen Merkmalen und historischen Daten ab. Eine kontobasierte Analyse betrachtet dagegen tatsächlich vorhandene Zahlungsströme. Dadurch können beispielsweise aktuelle Einnahmen, wiederkehrende Belastungen und Liquiditätsschwankungen berücksichtigt werden.

Zusätzliche Chancen für Unternehmen ohne lange Historie

Ein junges Unternehmen verfügt möglicherweise noch nicht über mehrere veröffentlichte Jahresabschlüsse oder umfangreiche Zahlungserfahrungen. Aktuelle Kontodaten können eine zusätzliche Grundlage schaffen, um die tatsächliche Situation zu bewerten.

Potenzial für höhere Conversion

Ein Vorteil entsteht insbesondere dann, wenn die Kontoprüfung als zweite Entscheidungsstufe eingesetzt wird. Kunden mit einem zunächst nicht ausreichenden klassischen Ergebnis müssen nicht automatisch endgültig abgelehnt werden. Liefert die zusätzliche Prüfung ein positives Bild, kann die Transaktion gegebenenfalls unter definierten Bedingungen freigegeben werden. Dadurch können Fehlablehnungen reduziert werden, ohne auf eine Risikoprüfung zu verzichten.

Automatisierbarkeit

Der gesamte Prozess kann weitgehend digital ablaufen. Von der Bankauswahl über die Authentifizierung bis zur Datenanalyse lassen sich einzelne Schritte über Schnittstellen in bestehende Antrags-, Checkout- oder Onboarding-Prozesse integrieren.

Grenzen und Herausforderungen

Eine kontobasierte Prüfung ist kein Allheilmittel. Auch dieses Verfahren hat klare Grenzen.

Die technische Abdeckung ist nicht überall identisch

PSD2 hat einen regulatorischen Rahmen für den Kontozugriff geschaffen. Dennoch unterscheiden sich Banken und Schnittstellen in der praktischen Umsetzung und in den tatsächlich verfügbaren Informationen. Die BaFin beschäftigt sich deshalb auch weiterhin mit Anforderungen an PSD2-Kontozugangsschnittstellen.

Der Kunde muss aktiv teilnehmen

Ein Unternehmen kann Kontodaten nicht einfach ohne Beteiligung des Kontoinhabers abrufen. Der Zahlungsdienstnutzer muss dem Kontoinformationsdienst den Zugriff ausdrücklich ermöglichen. Nicht jeder Kunde wird dazu bereit sein. Deshalb sollte der Prozess einen klaren Nutzen vermitteln und möglichst wenig Reibung erzeugen.

Laufende Zugriffe benötigen erneute Authentifizierung

Für längerfristige Anwendungsfälle müssen Unternehmen die regulatorischen Anforderungen an wiederkehrende Zugriffe berücksichtigen. Die häufig noch genannte 90-Tage-Frist wurde bei der relevanten SCA-Regelung auf 180 Tage verlängert. Ein dauerhaftes Monitoring ohne erneute Nutzerinteraktion ist deshalb nicht unbegrenzt möglich.

Geschäftskonten sind komplexer

Geschäftliche Zahlungsströme sind häufig schwerer zu interpretieren als private Haushaltskonten. Saisonale Umsätze, Sammelzahlungen, interne Umbuchungen oder mehrere parallele Geschäftskonten können die Analyse erschweren. Auch die technische Coverage kann je nach Bank, Kontotyp und Unternehmenskonstellation variieren.

Daten benötigen eine geeignete Bewertungslogik

Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Entscheidungen. Eine hohe einzelne Zahlung oder ein vorübergehend niedriger Kontostand können ohne Kontext leicht falsch interpretiert werden. Entscheidend sind deshalb nachvollziehbare Regeln oder Modelle, die auf den jeweiligen B2B-Anwendungsfall abgestimmt sind.

Rechtlicher Rahmen – PSD2, DSGVO, kommende Regulierung

Die regulatorische Grundlage für Kontoinformationsdienste bildet derzeit die PSD2. Sie hat Kontoinformationsdienste als regulierte Zahlungsdienste in einen europäischen Rechtsrahmen eingebunden. In Deutschland werden die entsprechenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen insbesondere über das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz umgesetzt. Die BaFin führt hierfür unter anderem ein Register der zugelassenen und registrierten Institute.

Parallel entwickelt sich der europäische Zahlungsverkehrsrahmen weiter. Die EU arbeitet mit PSD3 und der Payment Services Regulation, kurz PSR, an einer Weiterentwicklung der bestehenden Zahlungsdiensteregulierung. Nach einer vorläufigen politischen Einigung Ende 2025 wurde diese nach Angaben von Ratsdokumenten im April 2026 bestätigt; das Gesetzgebungsverfahren war damit im Jahr 2026 weit fortgeschritten.

Daneben soll der geplante Rahmen für Financial Data Access, kurz FIDA, den regulierten Datenaustausch perspektivisch über Zahlungskontodaten hinaus auf weitere Finanzdaten ausweiten. Der Vorschlag umfasst ausdrücklich Daten von Verbrauchern und Unternehmen und setzt auf einen Zugriff mit Erlaubnis des Kunden.

DSGVO bleibt separat zu betrachten

Die regulatorische Zulässigkeit eines Kontozugriffs nach Zahlungsdiensterecht beantwortet nicht automatisch sämtliche datenschutzrechtlichen Fragen. Sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden, benötigt die Verarbeitung eine geeignete Rechtsgrundlage nach DSGVO. Je nach Prozess können beispielsweise eine Einwilligung oder ein berechtigtes Interesse relevant sein.

Unternehmen müssen außerdem unter anderem Zweckbindung, Transparenz und Datenminimierung berücksichtigen. Die konkrete rechtliche Bewertung hängt vom jeweiligen Prozess, den Beteiligten und den verarbeiteten Daten ab. Dieser Überblick ersetzt daher keine individuelle rechtliche oder datenschutzrechtliche Prüfung.

Wie Sie Kontoblick in Ihren B2B-Prozess integrieren

Eine erfolgreiche Integration beginnt nicht mit der technischen Schnittstelle, sondern mit dem Entscheidungsprozess. Für einen breiteren Überblick über B2B-Bonitätsprüfung insgesamt hilft unser Leitfaden Bonitätsprüfung für Unternehmen.

1. Den richtigen Zeitpunkt definieren

Legen Sie zunächst fest, wann die kontobasierte Prüfung eingesetzt werden soll. Eine Möglichkeit ist die Prüfung jedes neuen Geschäftskunden. Häufig effizienter kann jedoch ein risikobasierter Ansatz sein, bei dem zusätzliche Kontodaten nur in bestimmten Fällen benötigt werden.

2. Mit klassischen Daten kombinieren

Kontodaten und klassische Unternehmensinformationen beantworten unterschiedliche Fragen. Register- und Auskunfteidaten können Hinweise auf Historie und strukturelle Risiken liefern. Kontodaten ergänzen diese Perspektive um aktuelle Zahlungsströme und Liquidität. Ein mehrstufiger Prozess kann beide Informationsarten gezielt kombinieren.

3. Einen regulierten Anbieter auswählen

Für den technischen Kontozugriff sollte geprüft werden, ob der eingesetzte Kontoinformationsdienst über die erforderliche regulatorische Berechtigung verfügt. Die entsprechenden Register der zuständigen Aufsichtsbehörden bieten hierfür eine wichtige Orientierung.

4. Den Consent-Prozess einfach gestalten

Jeder zusätzliche Schritt im Checkout oder Onboarding kann zu Abbrüchen führen. Der Nutzer sollte deshalb verstehen, warum die Kontoanbindung angeboten wird, welche Daten benötigt werden und was anschließend mit ihnen geschieht. Besonders bei einer Second-Look-Prüfung ist die Nutzenargumentation klar: Die zusätzliche Prüfung bietet eine weitere Möglichkeit, eine zunächst negative oder unklare Entscheidung zu überprüfen.

5. Entscheidungslogik definieren

Vor der Integration sollte feststehen, welche Kennzahlen tatsächlich relevant sind. Unternehmen müssen beispielsweise definieren, welche Liquiditätswerte, Schwankungen oder Belastungsverhältnisse zu einer Freigabe führen und wann eine manuelle Prüfung erforderlich ist. Nur eine klare Auswertungslogik macht aus Kontodaten einen belastbaren Bestandteil des Credit-Management-Prozesses.

Fazit

Kontoblick verändert die Bonitätsprüfung nicht deshalb, weil klassische Unternehmensauskünfte dadurch überflüssig werden. Sein Mehrwert liegt vielmehr darin, eine Informationslücke zu schließen.

Klassische Verfahren zeigen, wie ein Unternehmen historisch bewertet wird. Kontobasierte Analysen können ergänzen, wie sich seine tatsächlichen Zahlungsströme und seine Liquidität aktuell darstellen. Besonders interessant ist diese Kombination bei jungen Unternehmen, bei veralteten oder unvollständigen Bonitätsinformationen und bei Kunden, die aufgrund eines klassischen Scores zunächst abgelehnt würden.

Statt ausschließlich zwischen Annahme und Ablehnung zu entscheiden, können Unternehmen eine zusätzliche Prüfungsstufe etablieren. Damit wird der Kontoblick zu einer logischen Ergänzung klassischer Bonitätsverfahren: Historische Daten liefern die Baseline, aktuelle Kontodaten ermöglichen einen zusätzlichen Blick auf die finanzielle Realität im Moment der Entscheidung.

Häufige Fragen

Ist Kontoblick dasselbe wie Screen Scraping?

Nein. Moderner Kontozugriff über regulierte Kontoinformationsdienste basiert auf dem durch PSD2 geschaffenen Rechts- und Schnittstellenrahmen. Screen Scraping bezeichnet dagegen Verfahren, bei denen Kontoinformationen über die Benutzeroberfläche des Onlinebankings ausgelesen werden.

Wie lange darf ein Kontozugriff genutzt werden?

Die konkrete Dauer hängt vom Prozess und der erteilten Zustimmung ab. Für bestimmte wiederkehrende AIS-Kontozugriffe gilt aktuell ein 180-Tage-Zeitraum für die erneute starke Kundenauthentifizierung; die früher häufig genannte 90-Tage-Regel ist insoweit überholt.

Braucht der Anbieter eine eigene BaFin-Lizenz?

Nicht jedes Unternehmen, das eine kontobasierte Bonitätsanalyse in seinem Prozess nutzt, muss selbst Kontoinformationsdienstleister sein. Der eigentliche regulierte Kontozugriff muss jedoch durch einen entsprechend berechtigten Anbieter erfolgen; in Deutschland bestehen dafür aufsichtsrechtliche Erlaubnis- beziehungsweise Registrierungsvorgaben.

Funktioniert Kontoblick auch für Geschäftskonten?

Grundsätzlich können auch Geschäftskonten über PSD2-basierte Kontoinformationsdienste angebunden werden. Die konkrete Verfügbarkeit und der Umfang der abrufbaren Daten hängen jedoch von Bank, Kontotyp und Schnittstelle ab.

Kann Kontoblick klassische Bonitätsauskünfte komplett ersetzen?

In den meisten B2B-Anwendungsfällen ist eine Ergänzung sinnvoller als ein vollständiger Ersatz. Klassische Auskünfte liefern Informationen über Historie und strukturelle Risiken, während Kontodaten einen aktuelleren Einblick in Cashflows und Liquidität ermöglichen.

Häufige Fragen

›Was ist ein Kontoinformationsdienst (AIS) unter PSD2?

Ein AIS ist ein durch die BaFin lizenzierter Zahlungsdienst, der mit Einwilligung des Kontoinhabers lesenden Zugriff auf Kontodaten erhält. Grundlage sind PSD2 (EU 2015/2366) und das deutsche ZAG.

›Welche Lizenz braucht ein AIS-Anbieter?

AIS-Anbieter benötigen eine Registrierung als Kontoinformationsdienst nach §§ 34 ff. ZAG bei der BaFin sowie die Einhaltung der technischen Regulierungsstandards (RTS) der EBA.

›Welche Daten darf ein AIS auslesen – und welche nicht?

Der AIS darf ausschließlich Kontostände und Umsätze der vom Nutzer freigegebenen Konten auslesen. Zahlungsauslösungen oder eine Weitergabe an Dritte außerhalb des vereinbarten Zwecks sind nicht erlaubt.

›Wie erteilt ein Firmenkunde die Freigabe (SCA)?

Der Zeichnungsberechtigte identifiziert sich per starker Kundenauthentifizierung (SCA) direkt bei seiner Bank – typischerweise per App oder TAN-Verfahren – und bestätigt Zweck und Umfang des Zugriffs.

›Wie lange ist eine AIS-Freigabe gültig?

Nach den EBA-RTS ist die Freigabe zeitlich begrenzt (bislang bis zu 180 Tage), muss danach erneut bestätigt werden und ist jederzeit widerrufbar.

›Was passiert bei Widerruf der Einwilligung?

Bei Widerruf endet der Zugriff des AIS unmittelbar. Weitere Auslesungen sind unzulässig; bereits erhobene Daten werden entsprechend Zweckbindung und Löschkonzept behandelt.

Quellen und weiterführende Fachinformationen

Second Chance statt verlorener Umsatz

Jeder abgelehnte B2B-Kunde ist verlorener Umsatz – häufig zu Unrecht. ConversionUp bietet Ihren Grenzfällen eine kontobasierte Zweitprüfung nach PSD2: tagesaktuelle Liquiditäts- und Cashflow-Signale statt veralteter Historie. So retten Sie Umsatz, ohne Ihr Risiko zu erhöhen.

ConversionUp kennenlernen

©itsmydata 2026. Alle Rechte vorbehalten

©itsmydata 2026. Alle Rechte vorbehalten