Kontobasierte Bonitätsprüfung: Warum Echtzeit-Daten die klassische Auskunftei ergänzen

22.07.2026
 · 
11 min read
Featured Image

Die klassische Bonitätsprüfung ist für viele Unternehmen ein etablierter Bestandteil ihrer Risikoprozesse. Wirtschaftsauskunfteien liefern wichtige Informationen über die bisherige Bonität eines Unternehmens und helfen dabei, Zahlungsausfälle frühzeitig zu erkennen.

Doch gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen stößt die rein vergangenheitsbezogene Betrachtung an Grenzen. Die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens kann sich innerhalb weniger Monate deutlich verändern – positiv wie negativ. Klassische Bonitätsinformationen bilden diese Entwicklung nicht immer unmittelbar ab.

Genau hier setzt die kontobasierte Bonitätsprüfung an. Sie ergänzt bestehende Auskunftei-Informationen um die Analyse aktueller Transaktionsdaten aus dem Geschäftskonto. So entsteht ein umfassenderes Bild:

Die Auskunftei zeigt die Historie. Das Konto zeigt die Gegenwart.

Für Anbieter aus Leasing, Factoring, Telekommunikation, Energieversorgung oder anderen Branchen mit wiederkehrenden Zahlungsverpflichtungen kann diese Kombination eine fundiertere Entscheidungsgrundlage schaffen – insbesondere dann, wenn ein potenzieller Kunde im klassischen Prüfprozess zunächst abgelehnt würde.

ConversionUp setzt deshalb nicht auf den Ersatz etablierter Auskunfteien, sondern auf deren gezielte Ergänzung durch aktuelle Kontodaten.

Was ist eine kontobasierte Bonitätsprüfung?

Bei einer kontobasierten Bonitätsprüfung werden – nach entsprechender Freigabe des Kontoinhabers – Transaktionsdaten eines Geschäftskontos strukturiert analysiert.

Die Grundlage dafür bildet Open Banking. Über regulierte Schnittstellen können autorisierte Kontoinformationsdienste auf freigegebene Zahlungskontodaten zugreifen. Die PSD2 hat für solche Dienste einen europäischen regulatorischen Rahmen geschaffen.

Bei ConversionUp umfasst die Analyse die Kontobewegungen der vergangenen zwölf Monate. Dieser Zeitraum ermöglicht es, nicht nur eine Momentaufnahme zu betrachten, sondern auch längerfristige Entwicklungen und saisonale Schwankungen zu erkennen.

Analysiert werden dabei nicht einzelne Transaktionen isoliert. Entscheidend sind Muster und finanzielle Signale, die Rückschlüsse auf die aktuelle wirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Entwicklung und Regelmäßigkeit der Einnahmen
  • vorhandene Liquiditätsreserven
  • wiederkehrende Zahlungsverpflichtungen
  • Rücklastschriften
  • Zahlungsdisziplin gegenüber Lieferanten
  • Steuer- und Sozialabgaben
  • saisonale Schwankungen und Liquiditätsengpässe

Das Ergebnis kann anschließend in die bestehende Kredit- oder Annahmeentscheidung eines Unternehmens integriert werden.

Kontobasierte Bonitätsprüfung, PSD2 und AIS: die Abgrenzung

Die Begriffe werden häufig miteinander vermischt, beschreiben aber unterschiedliche Ebenen.

PSD2 bezeichnet den regulatorischen Rahmen für Zahlungsdienste und unter anderem für den Zugriff autorisierter Drittanbieter auf Zahlungskonten.

Ein Account Information Service, kurz AIS oder Kontoinformationsdienst, ist der regulierte technische Dienst, über den freigegebene Kontoinformationen abgerufen werden können. Kontoinformationsdienste gehören zu den durch die PSD2 geregelten Zahlungsdiensten.

Die kontobasierte Bonitätsprüfung ist dagegen der konkrete Anwendungsfall: Die verfügbaren Kontodaten werden anhand definierter Kriterien analysiert, um eine aktuelle Einschätzung der finanziellen Situation zu ermöglichen.

Der Kontozugriff ist also die technische Grundlage. Die eigentliche Wertschöpfung entsteht durch die strukturierte Analyse und die Einbindung der Ergebnisse in den Entscheidungsprozess.

Kontobasierte Bonitätsprüfung und Auskunftei: Historie trifft Gegenwart

Kontodaten und klassische Bonitätsinformationen beantworten unterschiedliche Fragen. Deshalb sollten sie nicht als konkurrierende Verfahren betrachtet werden.

Klassische Auskunftei Kontobasierte Bonitätsprüfung
Betrachtet vor allem historische Informationen Betrachtet die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung
Zeigt bekannte Bonitätsmerkmale und Zahlungserfahrungen Zeigt tatsächliche Kontobewegungen und Liquiditätsmuster
Ermöglicht eine schnelle standardisierte Erstprüfung Ermöglicht eine detaillierte Zweitprüfung
Kann bei Unternehmen mit begrenzter Historie weniger aussagekräftig sein Kann auch aktuelle Entwicklungen sichtbar machen
Bewertet die Vergangenheit und bekannte Risiken Ergänzt das Bild um die finanzielle Gegenwart

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Auskunftei oder Konto? Sondern:

Wie lassen sich beide Informationsquellen sinnvoll miteinander verbinden?

Genau auf diesem Prinzip basiert ConversionUp. Eine klassische Auskunftei-Prüfung bleibt der etablierte erste Schritt. Fällt das Ergebnis eindeutig positiv aus, kann die Entscheidung unmittelbar getroffen werden.

Kommt es jedoch zu einer Ablehnung oder zu einem Grenzfall, kann die kontobasierte Bonitätsprüfung als Second-Look eingesetzt werden. Das Unternehmen erhält damit eine zusätzliche Entscheidungsgrundlage, bevor ein grundsätzlich interessanter Kunde endgültig abgelehnt wird.

Welche Signale liefert das Geschäftskonto?

Ein Geschäftskonto enthält zahlreiche Informationen über die aktuelle finanzielle Situation eines Unternehmens. Entscheidend ist dabei nicht die Betrachtung einzelner Buchungen, sondern die strukturierte Analyse relevanter Muster.

1. Einnahmenstruktur und Umsatzentwicklung

Regelmäßige Zahlungseingänge sind ein wichtiges Signal für die operative Stabilität eines Unternehmens. Eine Analyse kann beispielsweise erkennen, ob die Einnahmen über den Betrachtungszeitraum stabil sind, wachsen oder kontinuierlich zurückgehen.

Auch die Abhängigkeit von einzelnen größeren Zahlungseingängen kann relevant sein. Ein Unternehmen mit vielen regelmäßig zahlenden Kunden weist eine andere Risikostruktur auf als ein Unternehmen, dessen Liquidität stark von wenigen Großkunden abhängt.

2. Liquiditätsreserven

Für die Zahlungsfähigkeit ist nicht allein entscheidend, wie hoch die Einnahmen sind. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Liquidität tatsächlich zur Verfügung steht.

Die kontobasierte Analyse kann zeigen, wie sich Kontostände über einen längeren Zeitraum entwickeln und ob ausreichend finanzielle Reserven vorhanden sind, um laufende Verpflichtungen zu erfüllen.

3. Zahlungsdisziplin gegenüber Lieferanten

Regelmäßig ausgeführte Zahlungen an Lieferanten und Dienstleister können Hinweise auf geordnete Geschäftsabläufe liefern. Häufen sich dagegen verspätete Zahlungen oder werden wiederkehrende Verpflichtungen unregelmäßig bedient, kann dies auf zunehmenden finanziellen Druck hindeuten.

4. Rücklastschriften

Rücklastschriften können ein relevantes Risikosignal darstellen – insbesondere dann, wenn sie wiederholt auftreten. Eine einzelne Rücklastschrift muss noch keine Aussage über die Bonität eines Unternehmens erlauben. Häufen sich entsprechende Vorgänge jedoch, kann dies auf Liquiditätsengpässe oder unzureichende Kontodeckung hinweisen.

5. Steuer- und Sozialabgaben

Regelmäßige Zahlungen an Finanzämter, Sozialversicherungsträger oder andere öffentliche Stellen gehören bei vielen Unternehmen zum normalen Zahlungsverkehr. Unregelmäßigkeiten oder auffällige Veränderungen können im Gesamtbild der Analyse berücksichtigt werden.

Auch hier gilt: Einzelne Vorgänge werden nicht isoliert bewertet. Entscheidend ist die Entwicklung über einen längeren Zeitraum.

6. Wiederkehrende Verpflichtungen

Mieten, Leasingraten, Finanzierungen und andere regelmäßige Belastungen zeigen, welche festen Zahlungsverpflichtungen ein Unternehmen bereits trägt. In Verbindung mit der Einnahmen- und Liquiditätsentwicklung lässt sich dadurch besser einschätzen, wie groß der finanzielle Spielraum für zusätzliche Verpflichtungen ist.

7. Saisonale Muster

Viele Geschäftsmodelle unterliegen erheblichen saisonalen Schwankungen. Eine Betrachtung über lediglich wenige Wochen oder Monate könnte deshalb ein verzerrtes Bild liefern. Der bei ConversionUp betrachtete Zeitraum von zwölf Monaten ermöglicht es, typische Hoch- und Tiefphasen zu berücksichtigen.

Gerade für Unternehmen mit saisonalen Geschäftsmodellen kann dies die Aussagekraft der Prüfung deutlich verbessern.

Wo wird kontobasierte Bonitätsprüfung eingesetzt?

Die Integration aktueller Kontodaten kann in unterschiedlichen Phasen des Kundenlebenszyklus sinnvoll sein.

Neukundenprüfung

Bei Neukunden kann die kontobasierte Analyse zusätzlich zur klassischen Bonitätsprüfung eingesetzt werden, wenn eine differenziertere Einschätzung erforderlich ist. Dies kann beispielsweise bei höheren Vertragswerten, längeren Vertragslaufzeiten oder schwer einzuschätzenden Unternehmensstrukturen sinnvoll sein.

Second-Look bei zunächst abgelehnten Kunden

Der wichtigste Einsatzbereich von ConversionUp ist die Zweitprüfung.

Viele Unternehmen arbeiten heute mit festen Annahme- und Ablehnungskriterien. Fällt ein Interessent unter einen bestimmten Score oder erfüllt einzelne Kriterien nicht, wird der Antrag automatisiert abgelehnt.

Das Problem: Eine klassische Bonitätsprüfung kann nur die Informationen berücksichtigen, die ihr zur Verfügung stehen. Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens bleibt dabei möglicherweise unberücksichtigt.

Eine kontobasierte Bonitätsprüfung schafft hier eine zweite Entscheidungsebene. Statt einen Kunden unmittelbar endgültig abzulehnen, kann ihm die Möglichkeit angeboten werden, seine aktuelle wirtschaftliche Situation über die Analyse des Geschäftskontos nachzuweisen.

Das eröffnet insbesondere kleinen und mittleren Anbietern die Möglichkeit, ihre Annahmeprozesse differenzierter zu gestalten, ohne ihre bestehenden Prüfverfahren ersetzen zu müssen.

Laufende Überprüfung bestehender Kunden

Je nach Geschäftsmodell kann eine erneute Analyse auch bei bestehenden Kunden sinnvoll sein – beispielsweise vor einer Erhöhung eines Kreditrahmens, einer Vertragsverlängerung oder dem Abschluss eines zusätzlichen Vertrags. Dabei müssen selbstverständlich die jeweiligen rechtlichen und datenschutzrechtlichen Voraussetzungen berücksichtigt werden.

Weniger Ablehnungen ohne blind höhere Risiken

In vielen automatisierten Prüfprozessen gibt es heute nur zwei Ergebnisse: Annehmen oder ablehnen.

Eine zusätzliche Datenquelle ermöglicht eine differenziertere Entscheidung. Dadurch können Unternehmen potenziell gute Kunden erkennen, die aufgrund ihrer klassischen Bonitätsinformationen zunächst durch das Raster fallen.

Die kontobasierte Bonitätsprüfung kann dadurch insbesondere drei zentrale Ziele unterstützen.

Höhere Annahmequote

Nicht jede negative oder uneindeutige Auskunftei-Bewertung bedeutet automatisch, dass ein Unternehmen aktuell nicht zahlungsfähig ist. Eine zusätzliche Betrachtung aktueller Kontodaten kann eine Neubewertung ermöglichen.

Kontrolliertes Ausfallrisiko

Eine höhere Annahmequote sollte nicht dadurch entstehen, dass Prüfstandards einfach gesenkt werden. Der bessere Ansatz besteht darin, zusätzliche Informationen in die Entscheidung einzubeziehen. ConversionUp schafft deshalb eine zusätzliche Datenebene für Kunden, die ansonsten abgelehnt würden.

Kürzere Time-to-Yes

Gerade bei kleinen und mittleren Geschäftskunden sind manuelle Nachprüfungen häufig aufwendig. Unterlagen müssen angefordert, geprüft und intern bewertet werden. Eine standardisierte kontobasierte Analyse kann diesen Prozess deutlich strukturieren und Entscheidungen schneller verfügbar machen.

PSD2, Datenschutz und sicherer Kontozugriff

Kontodaten gehören zu den besonders sensiblen Informationen eines Unternehmens. Entsprechend wichtig ist ein klar geregelter und sicherer Prozess.

Der Zugriff auf die Kontoinformationen erfolgt über einen regulierten Kontoinformationsdienst und nur im Rahmen des jeweils freigegebenen Zugriffs. Die PSD2 sieht hierfür einen regulierten Rahmen für entsprechende Zahlungsdienste und deren Anbieter vor.

Der Kontoinhaber entscheidet aktiv darüber, ob der Zugriff ermöglicht wird.

Für Unternehmen bedeutet dies: Eine kontobasierte Bonitätsprüfung ist kein verdeckter Datenabruf. Der Kunde wird bewusst in den Prozess eingebunden.

Bei der Verarbeitung personenbezogener Daten sind darüber hinaus die Vorgaben der DSGVO zu berücksichtigen. Welche Rechtsgrundlage im konkreten Prozess einschlägig ist, hängt von der jeweiligen Gestaltung und dem konkreten Anwendungsfall ab.

Für ConversionUp bedeutet „compliant by design", dass Datenschutz und regulatorische Anforderungen nicht nachträglich ergänzt werden, sondern von Beginn an Bestandteil der technischen und organisatorischen Prozessgestaltung sind.

Kontobasierte Bonitätsprüfung als neuer Baustein im Risikomanagement

Die klassische Auskunftei-Prüfung bleibt ein wichtiger Bestandteil professioneller Bonitätsprozesse.

Doch die wirtschaftliche Realität eines Unternehmens besteht nicht ausschließlich aus seiner Vergangenheit.

Aktuelle Einnahmen, Liquiditätsreserven, Zahlungsverpflichtungen und das tatsächliche Zahlungsverhalten können zusätzliche Informationen liefern, die in klassischen Bonitätsdaten nicht oder nur zeitversetzt sichtbar werden.

Die kontobasierte Bonitätsprüfung verbindet deshalb zwei Perspektiven:

Historie durch die Auskunftei. Gegenwart durch das Konto.

Gerade als Second-Look für zunächst abgelehnte Geschäftskunden entsteht daraus ein besonders relevanter Anwendungsfall. Unternehmen müssen ihre bestehenden Bonitätsprozesse dafür nicht ersetzen. Sie können sie gezielt um eine zusätzliche Prüfungsstufe erweitern.

ConversionUp bietet hierfür eine führende B2B-Lösung für die kontobasierte Bonitätsprüfung und richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Anbieter, die mehr aus ihren bestehenden Anfragen herausholen möchten – ohne ihre Risikoprüfung aufzugeben.

Häufige Fragen

›Was ist eine kontobasierte Bonitätsprüfung?

Die kontobasierte Bonitätsprüfung analysiert – mit ausdrücklicher Einwilligung des Antragstellers – die tatsächlichen Kontobewegungen der letzten zwölf Monate über einen BaFin-lizenzierten Kontoinformationsdienst (AIS) nach PSD2. Ergebnis sind aktuelle Aussagen zu Liquidität, Zahlungsverhalten und Ertragsstabilität.

›Wie unterscheidet sich Second-Look von der klassischen Auskunftei-Prüfung?

Klassische Auskünfte bewerten die Vergangenheit anhand historischer Daten. Der Second-Look ergänzt diese Sicht um tagesaktuelle Kontosignale – vor allem für Grenzfälle, in denen die klassische Prüfung keine belastbare Entscheidung erlaubt.

›Ist die Kontoanalyse DSGVO- und PSD2-konform?

Ja. Der Zugriff erfolgt über einen BaFin-lizenzierten AIS auf Basis von PSD2, ist zweckgebunden, zeitlich begrenzt und beruht auf einer widerruflichen Einwilligung. DSGVO-Anforderungen an Zweckbindung, Datensparsamkeit und Löschung werden eingehalten.

›Wie lange dauert eine kontobasierte Prüfung?

Die eigentliche Kontoanalyse ist in wenigen Minuten abgeschlossen, sobald der Antragsteller die Einwilligung erteilt hat. Die Auswertung liefert unmittelbar strukturierte Kennzahlen für die Kreditentscheidung.

›Für welche B2B-Kundensegmente eignet sich Second-Look besonders?

Insbesondere für junge Unternehmen ohne belastbare Historie, kleine und mittlere Unternehmen mit dünner Auskunftslage sowie für Portfolios mit spürbaren Ablehnungsquoten im Grenzbereich.

›Ersetzt die Kontoanalyse Creditreform oder Schufa?

Nein. Klassische Auskünfte und kontobasierte Prüfung ergänzen sich: Historie und Stammdaten kommen weiterhin aus den Auskunfteien, die Gegenwart liefern die Kontodaten.

Quellen und weiterführende Fachinformationen

Ablehnungsquote senken, ohne das Ausfallrisiko zu erhöhen

ConversionUp liefert die kontobasierte Zweitprüfung – als Ergänzung zu Ihrer bestehenden Auskunftei-Prüfung. Historie durch die Auskunftei. Gegenwart durch das Konto.

Mehr erfahren

©itsmydata 2026. Alle Rechte vorbehalten

©itsmydata 2026. Alle Rechte vorbehalten