Klassische Wirtschaftsauskünfte bleiben auch 2026 ein unverzichtbarer Bestandteil der Bonitätsprüfung im B2B-Leasing. Sie liefern belastbare Informationen zur Unternehmenshistorie, zum Zahlungsverhalten, zu wirtschaftlichen Verhältnissen und zum statistischen Ausfallrisiko. Für eine aktuelle Kreditentscheidung reichen historische und extern erhobene Daten allein jedoch nicht in jedem Fall aus. Der digitale Kontoblick ergänzt die bewährte Creditreform-Auskunft deshalb um aktuelle Informationen aus dem Geschäftskonto des antragstellenden Unternehmens.
Kurz gefasst: Der digitale Kontoblick analysiert mit Einwilligung des Unternehmens aktuelle Transaktionsdaten aus dessen Geschäftskonto. Er ergänzt die historische Creditreform-Auskunft um aktuelle Erkenntnisse zu Liquidität, Cashflow und Zahlungsverhalten. Besonders relevant ist die kontobasierte Bonitätsprüfung als Second Look bei zunächst nicht eindeutig entscheidbaren Leasinganträgen. Der Kontoblick ersetzt weder die Wirtschaftsauskunft noch die Prüfung durch das Risikomanagement.
Was ist der digitale Kontoblick?
Der digitale Kontoblick ist ein Verfahren zur strukturierten Analyse von Geschäftskontodaten. Das antragstellende Unternehmen verbindet hierfür nach ausdrücklicher Zustimmung eines oder mehrere Geschäftskonten mit einem regulierten Kontoinformationsdienst. Die verfügbaren Transaktions- und Kontodaten werden anschließend automatisiert ausgewertet und in entscheidungsrelevante Merkmale überführt.
Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Überweisungen, sondern wiederkehrende finanzielle Muster. Dazu gehören beispielsweise:
- regelmäßige Zahlungseingänge,
- Umsatzschwankungen,
- Liquiditätsreserven,
- wiederkehrende Belastungen,
- Rücklastschriften,
- Überziehungen,
- Steuerzahlungen,
- Kredit- und Leasingraten,
- saisonale Entwicklungen,
- das Verhältnis von Einzahlungen und Auszahlungen.
Die kontobasierte Bonitätsprüfung zeigt damit, wie sich die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens tatsächlich auf dem Konto entwickelt. Sie beantwortet nicht nur die Frage, wie ein Unternehmen in der Vergangenheit extern bewertet wurde, sondern ergänzt diese Perspektive um aktuelle Cashflow-Daten.
Abgrenzung zur klassischen Wirtschaftsauskunft
Eine Creditreform-Wirtschaftsauskunft liefert unter anderem Firmenstammdaten, den Creditreform Bonitätsindex, eine Ausfallwahrscheinlichkeit, Angaben zur Zahlungsweise sowie – abhängig von der gewählten Auskunft – Geschäftszahlen, Bilanzdaten und Brancheninformationen. Damit bietet sie eine fundierte Einschätzung des Unternehmens und seines bisherigen wirtschaftlichen Verhaltens.
Der digitale Kontoblick verfolgt einen anderen Ansatz. Er greift nach Zustimmung des Kontoinhabers auf aktuelle Kontoinformationen zurück und analysiert, wie sich Einnahmen, Ausgaben und Liquidität innerhalb des betrachteten Zeitraums entwickelt haben.
Der entscheidende Mehrwert entsteht daher nicht durch ein Entweder-oder, sondern durch die Kombination beider Informationsquellen: Creditreform liefert den fundierten historischen und externen Blick auf das Unternehmen, der digitale Kontoblick ergänzt ihn um aktuelle, vom Unternehmen freigegebene Kontodaten. Gerade im Leasinggeschäft kann diese Verbindung beider Datenquellen Informationslücken reduzieren, ohne bewährte Prüfverfahren aufzugeben.
Die regulatorische Grundlage: PSD2 und Kontoinformationsdienste
Die technische und regulatorische Grundlage des digitalen Kontoblicks bildet die zweite europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Sie hat den regulierten Zugang zu online geführten Zahlungskonten für sogenannte Kontoinformationsdienste geschaffen. Die Richtlinie sieht ausdrücklich vor, dass Zahlungsdienstnutzer entsprechende Dienste zum Zugriff auf ihre Kontoinformationen nutzen können.
In Deutschland werden die aufsichtsrechtlichen Anforderungen insbesondere durch das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz umgesetzt. Kontoinformationsdienste unterliegen einer Registrierungspflicht. Die BaFin führt ein öffentliches Register der zugelassenen beziehungsweise registrierten Zahlungs- und Kontoinformationsdienstleister.
Kontoinformationsdienst statt direktem Bankzugriff
Die Leasinggesellschaft greift bei einer fachgerecht aufgebauten Lösung nicht selbst auf das Onlinebanking des Antragstellers zu. Der Kontozugang wird über einen regulierten Kontoinformationsdienst hergestellt.
Das antragstellende Unternehmen authentifiziert sich grundsätzlich innerhalb der von seiner Bank vorgesehenen Umgebung. Der Kontoinformationsdienst ruft die freigegebenen Kontodaten über die dafür bereitgestellten Schnittstellen ab und stellt sie für die vereinbarte Analyse bereit. Die Zugangsdaten zum Onlinebanking werden somit nicht an die Leasinggesellschaft übermittelt.
Einwilligung und Zweckbindung
Der Kontoblick setzt eine aktive Zustimmung des Unternehmens beziehungsweise der verfügungsberechtigten Person voraus. Vor der Kontoverbindung muss transparent dargestellt werden,
- welche Konten verbunden werden,
- welche Daten verarbeitet werden,
- welchem Zweck die Analyse dient,
- welche Ergebnisse an die Leasinggesellschaft übermittelt werden,
- wie lange Daten und Analyseergebnisse gespeichert werden.
Für Leasinggesellschaften bedeutet dies: Der digitale Kontoblick muss in einen klar definierten Antrags- und Entscheidungsprozess eingebettet sein. Ein pauschaler oder verdeckter Zugriff auf Geschäftskontodaten ist nicht Bestandteil eines ordnungsgemäßen Verfahrens.
Starke Kundenauthentifizierung
Beim Zugriff auf ein online geführtes Zahlungskonto kann eine starke Kundenauthentifizierung erforderlich sein. Die PSD2 und die zugehörigen technischen Regulierungsstandards definieren hierfür Anforderungen an die sichere Authentifizierung und Kommunikation zwischen den beteiligten Zahlungsdienstleistern.
In der Praxis bestätigt der Kontoinhaber den Zugriff beispielsweise über die Banking-App, ein TAN-Verfahren oder eine andere von der kontoführenden Bank unterstützte Methode.
Der regulatorisch saubere Prozess ist damit compliant by design: Einwilligung, Authentifizierung, regulierter Kontozugang und zweckgebundene Analyse werden technisch miteinander verbunden.
Wie Open-Banking-Scoring funktioniert
Der Begriff Open Banking Scoring wird häufig verwendet, ist jedoch erklärungsbedürftig. Nicht jede kontobasierte Auswertung muss in einen einzigen Score münden. Gerade bei Leasingentscheidungen kann es sinnvoller sein, konkrete Merkmale und nachvollziehbare Regeln bereitzustellen.
Ein typischer Prozess umfasst fünf Schritte.
1. Start im Leasingantrag
Der Kontoblick wird direkt in den digitalen Antrag oder als nachgelagerter Second-Look-Prozess integriert. Das Unternehmen erhält eine eindeutige Aufforderung, das relevante Geschäftskonto zu verbinden.
2. Auswahl der Bank und Authentifizierung
Der Antragsteller wählt seine kontoführende Bank aus und meldet sich über den vorgesehenen Bankprozess an. Anschließend bestätigt er die freizugebenden Konten und den Zugriff. Die Verbindung kann bei unterstützten Banken in wenigen Minuten abgeschlossen werden.
3. Abruf der Transaktionsdaten
Abhängig von Bank, Kontomodell und technischer Verfügbarkeit können Kontobewegungen für einen Zeitraum von mehreren Monaten analysiert werden. Häufig wird ein Betrachtungszeitraum von bis zu zwölf Monaten angestrebt, um nicht nur eine kurzfristige Momentaufnahme, sondern auch saisonale und wiederkehrende Muster abzubilden. Die tatsächlich verfügbare Historie kann je nach Bank und Schnittstelle abweichen.
4. Kategorisierung und Analyse
Die Transaktionen werden strukturiert, kategorisiert und zu relevanten Kennzahlen verdichtet. Für Leasinggesellschaften können insbesondere folgende Merkmale relevant sein:
Cashflow-Muster. Die Analyse zeigt, ob Zahlungseingänge regelmäßig erfolgen, wie stark sie schwanken und ob erkennbare saisonale Effekte bestehen. Ein Handwerksbetrieb, ein Einzelhändler und ein saisonabhängiger Dienstleister können dabei sehr unterschiedliche Muster aufweisen.
Liquiditätsverlauf. Der Kontoblick kann darstellen, wie sich der verfügbare Kontostand im Zeitverlauf entwickelt. Relevant ist nicht nur der aktuelle Saldo, sondern auch, ob Liquiditätsengpässe regelmäßig auftreten und wie schnell sie wieder ausgeglichen werden.
Rücklastschriften und nicht ausgeführte Zahlungen. Wiederkehrende Rücklastschriften können auf operative oder finanzielle Probleme hinweisen. Einzelne Vorgänge sollten jedoch nicht isoliert bewertet werden. Entscheidend sind Häufigkeit, Entwicklung und Kontext.
Bestehende finanzielle Verpflichtungen. Regelmäßige Kredit-, Finanzierungs- und Leasingzahlungen geben Hinweise auf die laufende Belastung des Unternehmens. Zusammen mit den Zahlungseingängen lässt sich beurteilen, ob ausreichend Spielraum für eine zusätzliche Rate erkennbar ist.
Steuer- und Sozialabgaben. Regelmäßige Zahlungen an Finanzbehörden, Krankenkassen oder andere öffentliche Stellen können als Bestandteil des gesamten Zahlungsbildes berücksichtigt werden. Auch hier ist eine fachliche Einordnung erforderlich.
5. Übergabe in den Entscheidungsprozess
Das Ergebnis kann als strukturierter Bericht, Ampellogik, Regelprüfung oder über einzelne Merkmale an das Risikomanagement übergeben werden. Welche Darstellung sinnvoll ist, hängt von der Kreditrichtlinie, dem Automatisierungsgrad und dem jeweiligen Leasingprodukt ab.
Wesentlich ist die Nachvollziehbarkeit: Das Risikomanagement sollte erkennen können, welche Datenmerkmale zu welcher Einschätzung geführt haben. Ein nicht erklärbarer Gesamtscore bietet insbesondere bei Grenzfällen nur begrenzten fachlichen Mehrwert.
Klassische Auskunft und digitaler Kontoblick im Vergleich
| Kriterium | Klassische Creditreform-Auskunft | Digitaler Kontoblick |
|---|---|---|
| Datenaktualität | Aktuelle und historische externe Unternehmensinformationen | Aktuelle, vom Unternehmen freigegebene Geschäftskontodaten |
| Betrachtungszeitraum | Unternehmenshistorie und prognostische Risikoeinschätzung | Je nach Verfügbarkeit mehrere Monate, häufig bis zu zwölf Monate |
| Datentiefe | Stammdaten, Bonitätsindex, Zahlungsweise, Geschäftszahlen und weitere Wirtschaftsinformationen | Kontobewegungen, Cashflow, Liquiditätsverlauf und wiederkehrende Zahlungsverpflichtungen |
| Aussagekraft | Fundierte externe Einschätzung der Unternehmensbonität und Ausfallwahrscheinlichkeit | Aktueller Einblick in die tatsächlichen finanziellen Bewegungen des Unternehmens |
| Bereitstellungsdauer | In digitalen Prozessen in der Regel kurzfristig abrufbar | Nach erfolgreicher Kontoverbindung und Analyse innerhalb weniger Minuten möglich |
| Typischer Einsatz | Basisprüfung, Risikoklassifizierung und laufendes Monitoring | Ergänzung, Plausibilisierung und Second Look |
| Zentrale Stärke | Breite historische und externe Informationsbasis | Hohe Aktualität und unmittelbarer Cashflow-Bezug |
Die Tabelle zeigt, dass beide Verfahren unterschiedliche Fragen beantworten. Die Creditreform-Auskunft bewertet das Unternehmen im wirtschaftlichen Gesamtkontext. Der digitale Kontoblick vertieft diese Einschätzung mit aktuellen Informationen aus dem Geschäftskonto.
Der Second-Look-Use-Case im Leasing
Der wirtschaftlich besonders relevante Einsatzbereich ist der Second Look. Dabei wird der digitale Kontoblick nicht zwingend für jeden Antrag verwendet, sondern gezielt bei Fällen, die nach der klassischen Prüfung nicht eindeutig genehmigt werden können.
Typische Second-Look-Fälle sind:
- junge Unternehmen mit begrenzter Datenhistorie,
- Unternehmen ohne ausreichend aktuelle veröffentlichte Geschäftszahlen,
- saisonal schwankende Geschäftsmodelle,
- Anträge knapp unterhalb interner Annahmegrenzen,
- widersprüchliche oder unvollständige Unterlagen,
- Unternehmen nach einer wirtschaftlichen Restrukturierung,
- Betriebe, deren aktuelle Entwicklung in historischen Daten noch nicht vollständig sichtbar ist.
Ein zunächst kritisches Creditreform-Ergebnis wird dabei nicht ignoriert oder überschrieben. Vielmehr wird geprüft, ob aktuelle Kontodaten zusätzliche Erkenntnisse liefern.
Zeigt der Kontoblick stabile Zahlungseingänge, ausreichende Liquiditätsreserven und eine tragfähige bestehende Belastung, kann dies eine manuelle oder regelbasierte Neubewertung unterstützen. Zeigt die Kontoanalyse dagegen wiederkehrende Engpässe, Rücklastschriften oder eine steigende Belastung, bestätigt sie möglicherweise die vorsichtige Erstentscheidung.
Der Second Look ist deshalb kein Instrument zur pauschalen Erhöhung der Genehmigungsquote. Er ermöglicht eine differenziertere Entscheidung auf einer breiteren Datenbasis – wie im Beitrag Ablehnungsquote reduzieren, ohne das Risiko zu erhöhen ausführlich beschrieben.
Grenzen und Voraussetzungen
Der digitale Kontoblick liefert aktuelle und detaillierte Informationen. Er ist dennoch kein vollständiges Abbild der Unternehmensbonität.
Einwilligung ist zwingende Voraussetzung
Ohne Zustimmung und aktive Mitwirkung des antragstellenden Unternehmens kann keine Kontoverbindung hergestellt werden. Leasinggesellschaften benötigen daher einen verständlichen Prozess, der Zweck, Umfang und Nutzen der Analyse klar erläutert.
Die Datenqualität hängt vom verbundenen Konto ab
Die Aussagekraft ist eingeschränkt, wenn nur ein Nebenkonto verbunden wird, wesentliche Umsätze über andere Konten laufen oder private und betriebliche Zahlungen vermischt sind. Bei Unternehmensgruppen können zudem mehrere Gesellschaften und Kontoverbindungen relevant sein.
Transaktionsdaten benötigen Kontext
Eine hohe Einzelzahlung kann ein außergewöhnlicher Auftrag, eine Gesellschaftereinlage oder eine interne Umbuchung sein. Eine Kontobelastung kann betrieblich notwendig oder wirtschaftlich kritisch sein. Automatisierte Kategorien müssen daher plausibilisiert und Grenzfälle fachlich eingeordnet werden.
Keine vollständige Ersetzung der Wirtschaftsauskunft
Das Geschäftskonto enthält keine umfassenden Informationen zu Firmenstruktur, Vertretungsbefugnissen, Beteiligungen, öffentlichen Negativmerkmalen, externem Zahlungsverhalten oder branchenbezogenen Risiken.
Die Creditreform-Auskunft bleibt deshalb die tragende Basis der B2B-Bonitätsprüfung. Der digitale Kontoblick erweitert diese Basis um aktuelle interne Finanzdaten.
Praxis: Einführung in 90 Tagen
Eine Einführung innerhalb von rund 90 Tagen ist möglich, wenn Leasinggesellschaften den Anwendungsfall klar begrenzen und zunächst mit einem fokussierten Second-Look-Prozess beginnen.
Phase 1: Zielbild und Kreditrichtlinie – Woche 1 bis 3
Zunächst wird festgelegt, für welche Anträge der Kontoblick eingesetzt werden soll. Gleichzeitig definiert das Risikomanagement die relevanten Merkmale und Entscheidungskriterien. Zu klären sind unter anderem:
- Welche Anträge gelangen in den Second Look?
- Welche Konten müssen verbunden werden?
- Welcher Analysezeitraum wird benötigt?
- Welche Merkmale führen zu einer positiven, negativen oder manuellen Prüfung?
- Welche Ergebnisse werden gespeichert?
- Wer darf auf die Ergebnisse zugreifen?
Phase 2: Fachliche und technische Integration – Woche 4 bis 8
Im nächsten Schritt wird der Prozess in Antragssystem, Kreditentscheidung oder Partnerportal integriert. Parallel erfolgen Datenschutzprüfung, Berechtigungskonzept, Definition der Löschfristen und Gestaltung der Einwilligung.
Die technische Integration sollte nicht nur den Kontozugang, sondern auch Fehlerfälle berücksichtigen. Dazu gehören nicht unterstützte Banken, abgebrochene Authentifizierungen, unvollständige Daten und die Verbindung eines ungeeigneten Kontos.
Phase 3: Pilotbetrieb und Kalibrierung – Woche 9 bis 12
Der Pilot sollte mit einer klar abgegrenzten Fallgruppe starten. Die Ergebnisse des Kontoblicks werden zunächst mit den Entscheidungen erfahrener Underwriter und den vorhandenen Creditreform-Informationen verglichen.
Ziel ist nicht, innerhalb weniger Wochen ein vollständig automatisiertes Modell zu entwickeln. Zunächst muss geprüft werden, welche Merkmale im jeweiligen Portfolio tatsächlich entscheidungsrelevant und stabil interpretierbar sind.
Nach dem Pilot können Regeln, Schwellenwerte und Fallgruppen angepasst werden. Erst anschließend sollte über eine breitere Automatisierung entschieden werden.
Fazit
Der digitale Kontoblick erweitert die Bonitätsprüfung im B2B-Leasing um eine aktuelle und transaktionsbasierte Perspektive. Er zeigt, wie sich Cashflow, Liquidität und finanzielle Verpflichtungen eines Unternehmens auf dem Geschäftskonto tatsächlich entwickeln.
Sein größter Nutzen entsteht jedoch nicht als isoliertes Prüfverfahren. Die Creditreform-Auskunft liefert weiterhin die fundierte historische, strukturelle und externe Bewertung des Unternehmens. Der Kontoblick ergänzt sie um aktuelle, vom Antragsteller freigegebene Finanzdaten.
Für kleine und mittlere Leasinggesellschaften bietet sich insbesondere der Second-Look-Ansatz an. Er begrenzt den Integrationsaufwand, konzentriert die Kontoanalyse auf relevante Grenzfälle und ermöglicht differenziertere Entscheidungen. So können tragfähige Anträge erkannt werden, die anhand historischer Informationen allein nicht abschließend beurteilt werden könnten – ohne die bewährten Standards des Risikomanagements aufzugeben.
Häufige Fragen
›Was ist ein digitaler Kontoblick?
Ein digitaler Kontoblick ist die automatisierte Analyse freigegebener Transaktionsdaten aus einem Geschäftskonto. Er liefert Erkenntnisse zu Zahlungseingängen, Ausgaben, Liquiditätsverlauf, Rücklastschriften und bestehenden finanziellen Verpflichtungen.
›Ersetzt der digitale Kontoblick die Creditreform-Auskunft?
Nein. Die Creditreform-Auskunft bleibt die zentrale Grundlage für die historische, strukturelle und externe Bewertung eines Unternehmens. Der digitale Kontoblick ergänzt diese Informationen um aktuelle Daten aus dem Geschäftskonto.
›Welche Rolle spielt PSD2 bei der Bonitätsprüfung?
Die PSD2 bildet den regulatorischen Rahmen für den Zugriff regulierter Kontoinformationsdienste auf online geführte Zahlungskonten. Voraussetzung sind die Zustimmung des Kontoinhabers sowie die von der Bank vorgesehenen Authentifizierungs- und Sicherheitsverfahren.
›Welche Daten werden bei einer kontobasierten Bonitätsprüfung analysiert?
Analysiert werden insbesondere Zahlungseingänge, wiederkehrende Ausgaben, Liquiditätsschwankungen, Rücklastschriften sowie Kredit- und Leasingzahlungen. Die konkreten Merkmale richten sich nach dem vereinbarten Prüfzweck und der Kreditrichtlinie der Leasinggesellschaft.
›Für welche Leasinganträge eignet sich der Second Look?
Der Second Look eignet sich vor allem für Anträge, die nach der klassischen Prüfung nicht eindeutig entschieden werden können. Dazu zählen beispielsweise junge Unternehmen, saisonale Betriebe oder Fälle mit begrenzten beziehungsweise nicht ausreichend aktuellen Geschäftszahlen.
›Wie schnell liegt das Ergebnis eines digitalen Kontoblicks vor?
Nach erfolgreicher Auswahl des Kontos, Authentifizierung und Datenübertragung kann die Analyse in einem digitalen Prozess grundsätzlich innerhalb weniger Minuten erfolgen. Die tatsächliche Dauer hängt unter anderem von der Bankverbindung, der Schnittstelle und der Vollständigkeit der verfügbaren Daten ab.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
- BaFin — Zahlungsdiensteaufsicht (PSD2) — Regulatorischer Rahmen für Kontoinformationsdienste in Deutschland
- Europäische Bankenaufsicht (EBA) — PSD2 Guidelines — Technische Regulierungsstandards zur starken Kundenauthentifizierung und zum Kontozugriff
- EU-Kommission — PSD3 / FIDA-Vorschlag — Weiterentwicklung von PSD2 und Rahmen für Financial Data Access (FIDA)
- Deutsche Bundesbank — Finanzstabilitätsbericht — Makroökonomische Rahmenbedingungen für Kreditrisiken und Unternehmensfinanzierung
- EU AI Act — Verordnung (EU) 2024/1689 — Anforderungen an KI-gestützte Bonitätsbewertung (Hochrisiko-System)
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